Die Elfe Annomé ist glücklich, denn durch das Anderswald-Buch gelangt sie in die Häuser und Wohnungen der Menschen. In diesem Haus hat sie, zu ihrer großen Freude, ihre Lieblingsspeise entdeckt. Und glaubt mir, da wird nicht ein Törtchen übrig bleiben!
Sollten auch bei euch wie durch Zauberei, Kuchen, Kekse und Törtchen verschwinden, dann war sie da, die nachhafte Elfe aus dem Anderswald.
Es ist mir ein Rätsel wie diese Elfe, trotz dieser Naschhaftigkeit, ihre Wespentaille behält. Davon kann ich nur träumen …

Carlotta und Annomé helfen fleißig beim Verteilen der Anderswald-Bücher. Das ist natürlich nur durch einen großen ZAUBER möglich. Carlotta hat eine unsichtbare Kugel gezaubert, die das Buch schützt und fest auf dem Besen hält. Wer mag wohl diesmal der glückliche Empfänger sein …?

Welch eine Freude! An diesem magischen Tag, 2.2.2022 wurde der 1. Teil der Anderswald-Geschichte neu veröffentlicht und ist im Handel erhältlich. Infos dazu gibt es auf der Webseite.

Für die wunderbare Zusammenarbeit bedanke ich mich bei:

Theresa Zander, für die wunderschönen Illustrationen und das Cover! Sie hat meine Beschreibungen perfekt umgesetzt und den Anderswäldern ganz viel Lebendigkeit eingehaucht. Es ist eine Freude mit den Figuren zu arbeiten! Danke auch für die stimmungsvollen Kapitelbilder. https://www.theresazander.de

Lucien Röttger, für das Lektorat und Korrektorat. Dazu ist er ganz tief in die Anderswald-Geschichte eingetaucht und hat selbst die kleinste Unstimmigkeit aufgestöbert!

Phillipp Arnold, für den perfekten Buchsatz! Danke auch für die Hilfe und gute Beratung bei der Umsetzung und Einrichtung der Web- und Facebook-Seite. Ebenfalls Danke für die schnelle und kompetente Hilfe bei den technischen „Notfällen“ am Rande. https://redlight-pc.de/cms/

Das Tor zum Anderswald Teil 4

Annomé gähnte laut und streckte und reckte sich, bevor sie die Augen öffnete. „Huch! Ihr seid schon alle wach?“
Die Freunde aus dem Anderswald hatten am vergangenen Abend eine lange Schlafpause eingelegt. Alle waren bereits startklar für die Weiterreise, nur Annomé hatte noch tief und fest geschlafen.
Carlotta schüttelte den Kopf. „Wie kann man nur so lange schlafen?“
Annomé kratze sich am Kopf und gähnte ein weiteres mal. „Das war gestern ein langer Weg den wir hinter uns gebracht haben. Das war ganz schön ermüdend.“
Meelan schmunzelte. „Du hast doch bequem auf Carlottas Besen gesessen, während wir geflogen und gelaufen sind.“
Annomé kicherte. „Weißt du wie anstrengend es ist mich die ganze Zeit darauf zu konzentrieren, dass ich nicht vom Besen falle?“
„Dann fliegst du heute besser den Rest des Weges selber“, sagte Thilion.
„Na ja, so anstrengend war das nun auch wieder nicht.“ Sie wuschelte sich mit beiden Händen einmal kurz durch die Haare und setzte sich hinter Carlotta, die bereits startklar auf Speedy saß.
Carlotta schüttelte den Kopf. „Wie du wieder aussiehst, als wärst du in einen Wirbelsturm geraten.“
„Das richte ich alles, wenn wir wieder zu Hause sind.“ Abermals wuschelte sie sich mit beiden Händen durch ihr Haar.
„Weiter geht es“, sagte Jasper und trabte an.
Carlotta machte einen Blitzstart. Annomé, die noch mit ihren Haaren beschäftigt war, wäre beinahe vom Besen gefallen. Schnell kralle sie sich an ihrer Freundin fest.
„Och Carlotta, fast wäre ich runtergefallen.“
„Was hampelst du da hinter mir auch so herum?“
Annomé lachte. „Ich wollte nur meine Frisur ein bisschen in Ordnung bringen, damit du nicht so einen Zausel als Flugbegleitung hast.“
„Du bist mir schon so ein Zausel. Nee, nee, Annomé.“
„Hi, hi, das reimt sich sogar.“
Plötzlich war ein Knurren zu hören.
„Hast du das auch gehört?“ fragte Carlotta.
„Na klar, das war mein Magen. So langsam ein kleines Hüngerchen.“
„Ich kann dir ja was zaubern. Worauf hättest du denn Hunger?“
Annomé überlegte kurz. „Auf Blaubeerküchlein von Mölli und Trölli.“
„Damit kann ich leider nicht dienen, die gibt es nur bei den beiden Trollen.“
„Wir könnten doch gleich mal bei den beiden vorbeifliegen. Vielleicht ist heute Blaubeerküchlein-Backtag.“
„Heute ist Anderswald-Tor-Öffnungstag, würde ich sagen.“
Annomé schlug sich mit der flachen Hand so heftig auf die Stirn, dass sie fast wieder vom Besen gefallen wäre.“
„Oh Schreck! Carlotta, das habe ich doch glatt vergessen.“
Carlotta seufzte und schüttelte den Kopf. „Warum wundert mich das jetzt nicht? Was glaubst du, warum wir hier alle unterwegs sind?“
„Ich bin aber auch ein Schussel! Wirklich, das hatte ich echt vergessen!“
Meelan und Thilion flogen nun links und rechts neben Annomé.
Meelan tippte ihr auf die Schulter. „Und soll ich dir was verraten?“
Annomé schaute ihn fragend an.
„Wir sind auch schon gleich da.“
„Nochmal oh Schreck!“, rief Annomé. „Was ist, wenn heute doch nicht der richtige Tag ist?“ Unruhig zappelte sie auf dem Besen herum.
Farina kam angetrabt. „Wenn Jasper sagt, dass es der richtige Tag ist, dann ist es der richtig Tag. Heute ist bei den Menschen der 2.2.2022. Na wenn das kein magischer Tag ist.“
„He, Speedy, was ist mit dir los?“, fragte Carlotta. „Du bewegst dich ja kaum von der Stelle.“
Thilion lachte. „Kein Wunder Carlotta, denn hinter dir sitzt eine Elfen-Bremse.“
Carlotta drehte sich um. Sie schaute in das entsetzte Gesicht von Annomé. Diese bemühte sich mit ihren Flügeln rückwärts zu fliegen. „Kannst du mir mal sagen, was du da machst?“
„Ich trau mich nicht. Was ist, wenn es der falsche Tag ist? Dann öffnet sich das Tor nicht. Dann kommt das Anderswald-Buch nicht zu den Menschen. Und ohne Buch komme ich nicht mehr in die Wohnungen und Häuser der Menschen. Wisst ihr eigentlich, was die für leckere Törtchen, Kuchen und Kekse haben?“ Ihr wisst, wir haben nur einen Versuch! Wenn es schief geht, dann müssen wir 1000 Jahre warten!“ Sie schaute nachdenklich in den Himmel. „Lebe ich dann überhaupt noch?“
Thilion legte Annomé eine Hand auf ihre Schulter. „Mach dich mal locker Elfchen, das wird schon klappen. Hab einfach Vertrauen. Ich habe meine Eltern per Gedanken verständigt, sie kommen auch zur Toreröffnung.“
Annomé riss die Augen auf. „Oh, der Elfenkönig und die Elfenkönigin kommen auch?“
Thilion nickte. „Glaube mir Annomé, mein Vater würde unsere Aktion verhindern, wenn er auch nur den leisesten Zweifel hätte, dass heute nicht der richtige Tag ist.“ Thilion wurde nachdenklich. Dann sagte er: „Ich glaube, er hat so seine eigene geheime Informations-Quelle.“
Das diese Quelle ein Zauberthron im Elfenschloss war, der in die Wurzel eines Zauberbaums geschnitzt war, das wusste niemand im ganzen Königreich. Und das war nicht das einzige Geheimniss des Elfenkönigs.
Annomé atmete mehrmals tief ein und aus. Die Anspannung ließ langsam nach.
„Können wir jetzt endlich weiter fliegen Frau Elfen-Katastrophe?“, fragte Carlotta.
Annomé nickte. „Ja, jetzt oder nie.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ansonsten eben in 1000 Jahren.“
„Annomé!“ rief Carlotta. „Jetzt reicht es aber!“
In diesem Moment rief Jasper: „Wir sind gleich da! Schaut, der Elfenkönig Togan und die Elfenkönigin Ailina warten schon am Tor.“
Wieder zappelte Annomé unruhig hinter Carlotta herum. „Was ist jetzt schon wieder los?“, fragte Carlotta.
„Schau wie ich aussehe. Meine Haare sind ganz wuschelig und mein Kleid ist ganz zerknittert.“
„Das haben wir schnell erledigt.“ Rasch schwang Carlotta ihren Zauberstab und Annomé erstrahlte im besten Elfenglanz.
Annomé strahlte vor Freude. „Oh vielen, vielen Dank Carlotta! Jetzt bin ich bereit für den großen Augenblick.“
Am Tor wurden sie von dem Elfenkönigspaar begrüßt. Togen sprach: „Wie schon so oft, habt ihr gemeinsam eine Aufgabe gelöst, die der Welt der feinstofflichen Wesen und der Welt der Menschen dienlich war. Dafür danke ich euch.“ Togan machte eine Verbeugung.
Oh, dachte Annomé, der König verneigt sich vor mir. Schnell flog sie von Carlottas Besen neben Meelan, damit sie den König besser sehen konnte.
„Dann werden wir jetzt das Werk vollenden“, sagte Jasper. “Carlotta, bringst du bitte das Anderswald-Buch?“
Carlotta öffnete ihren Zauberrucksack. Dann geschah etwas Seltsames, dass alle staunen lies. Kaum war der Rucksack geöffnet, schwebte das Buch ganz voll allein heraus. Es war von einem magischen, weiß-goldenem Licht umgeben, das alle ihre Herzen berührte. Erst schwebte das Buch über die Köpfe der Anwesenden. Bei jedem hielt es kurz inne, als wollte es sich ebenfalls für die Hilfe bedanken. Dann schwebte es zu dem Schloss vom Tor und verharrte doch einen winzigen Augenblick.
Ein leises Geräusch war zu hören. Als hätte jemand einen Schlüssel im Schloss gedreht.
Die Anderswälder hielten den Atem an. Was würde jetzt geschehen? Die Spannung war fast unerträglich. Dann der erlösende Moment. Mit einem leisen Knarren öffnete sich das Tor. Das Buch flog hindurch, hinaus in die Welt der Menschen.
Die Anderswälder traten ebenfalls durch das Tor und schauten ihm hinterher, bis es nicht mehr zu sehen war.
Annomé seufzte. „Und jetzt ist es weg.“
Carlotta nickte. „Es bringt die Geschichte vom Anderswald zu den Menschen. Damit sie erfahren, dass es uns gibt. Und eines Tages, wenn unser Plan gelingt, können uns die Menschen sehen, wenn sie durch den Wald spazieren. So wie es früher war, vor uralter Zeit …“

 

 

 

 

Alle spürten, dass es ein magischer Ort war, zu dem Jasper sie geführt hatte.
Ein warmes gelbes Licht lies das Moos, das hier überall den Waldboden bedeckte, fast golden erscheinen. Keiner sprach ein Wort, sie waren wie verzaubert von dieser Landschaft. Hier war es so still, dass sie sich kaum zu atmen trauten. Von weitem sahen sie einen kleinen Felsen, der von einem Bündel Sonnenstrahlen beschienen wurde. Irgendetwas Buntes thronte dort oben wie eine Königin. Fast andächtig gingen sie auf den Felsen zu.
In diese Stille stieß Annomé einen Schrei aus. Alle zuckten zusammen und blieben wie angewurzelt stehen. Fips war vor Schreck von Sir Wieselflink gefallen.
“Annomé“, sagte Carlotta vorwurfsvoll, „bist du von allen guten Geistern verlassen? Mir sind fast die Ohren weggeflogen!“
Annomé zeigte auf den Felsen und rief: „Das Anderswald-Buch! Es ist das Anderswald-Buch!“
Jetzt gab es kein Halten mehr. In Windeseile liefen und flogen sie zum Felsen und bestaunten das Buch.
Annomé war total aus dem Häuschen und kreischte: „Carlotta! Schau mal! Da sind wir ja drauf! Hi, hi, hi.
Carlotta grinste. „Ja wer soll denn sonst? Elefanten etwa oder was?“
Alle lachten und hatten großen Spaß. Sie waren überglücklich, dass das erste Buch endlich fertig war.
Fips schaute sich um. „Jasper, deine Informations-Bibliothek ist wirklich eine wertvolle Hilfe. Ohne diesen Hinweis hätten wir ja eine Ewigkeit gebraucht um das Buch zu finden.“
Jasper schnaubte. „Der Anderswald ist riesengroß und überall gibt es geheimnisvolle und magische Orte wie diesen hier. Ohne die Information hätte es Tage und Wochen dauern können, bis wir es gefunden hätten. Und wie es ausschaut, hätten wir dann den magischen Tag verpasst, an dem das Tor sich für das Buch öffnet.“
Fips kratzte sich am Kopf und runzelte die Stirn. „Ach ja, es zu finden war die eine Hürde aber wir müssen ja noch das Rätsel um den richtigen Tag erraten.“
Annomé riss die Augen auf. „Oh Schreck! Vor lauter Freude habe ich das Rätsel total vergessen.“
Carlotta zwinkerte Annomé zu. „Das du alles Unangenehme gerne mal vergisst, ist ja nichts Neues.“
Annomé zuckte mit den Schultern. „Ist manchmal ganz praktisch.“
Carlotta seufzte: „Es löst aber keine Probleme und vor allem keine Rätsel.“
Thilion schaute Jasper an. „Wie lautet denn nun das Rätsel?“
„Also“ sprach Jasper, „folgende Information habe ich bekommen: 5 schwanengleiche Zahlen vereinen sich und am Ende steht die 1, weil ihr die Null an anderer Stelle braucht. Ihr benötigt etwas Fantasie, ein bisschen Rechnen und ein wenig von der menschlichen Zeit. Das war alles was ich erfahren habe.“
Mit einem großen Fragenzeichen auf der Stirn schauten die Freunde ihn an.
Annomé zog ihr Elfennäschen kraus. „Häh? Wie kann es sein dass man 5 Zahlen vereint, also, zusammenzieht und am Ende kommt eine 1 heraus? Und wie sollen wir damit den richtigen Tag errechnen? Das geht doch gar nicht.“ Annomés Mundwinkel bewegten sich kontinuierlich nach unten. „Und wenn wir das Rätsel nicht lösen? Dann kommt das schöne Buch vom Anderswald nicht zu den Menschen.“ Eine Träne kullerte aus Annomés Augenwinkel.
Carlotta konnte alles ertragen nur nicht, wenn ihre Freundin traurig war. „Annomé, wir haben gemeinsam schon so viel geschafft, wir werden auch dieses blöde Rätsel lösen.“
Hoffnung flammte in Annomés Augen auf. „In echt Carlotta?“
„Ja, in echt Annomé! Und du weißt doch, die Dinge sind nicht immer so wie sie zu sein scheinen. Wahrscheinlich ist das Rätsel gar nicht so kompliziert wie wir denken.“
„Carlotta hat Recht“, sagte Thilion. „Ihr habt doch gehört, wir brauchen nur ein bisschen Fantasie, einen Rechenkünstler,“ dabei zeigte er auf Jasper, „und ein bisschen menschliche Zeitrechnung. Wir haben doch schon viel schwierigere Aufgaben gelöst.“
Meelan grinste. „Na, für die Fantasie ist ja wohl unsere Annomé zuständig. Los Annomé, gib alles!“
Carlotta lachte. „Annomé, jetzt darfst du ganz offiziell in deine chaotische Gedankenwelt abtauchen und nach den 5 schwanengleichen Zahlen suchen.“
„Das ist eine meiner leichtesten Übungen“, sagte Annomé und konnte schon wieder lachen.
Farina seufzte. „Das ist uns allen wohl bekannt.“
Rasch schloss Annomé die Augen und dachte: Schwanengleich, schwanengleich, schwanengleich. In Gedanken flog sie zu einem Waldsee. Dort schwamm ein Schwan. Wieviel Zahlen waren es nochmal? Ach ja, fünf. Und schon waren fünf Schwäne auf dem See. Die Körper dieser Tiere erinnerten sie tatsächlich an eine Zahl aber an welche?
Plötzlich kam eine kleine Elfe angeflogen. In der einen Hand hielt sie einen Farbtopf und in der anderen einen Pinsel. Sie flog an Annomé vorbei, grinste sie schelmisch an und steuerte zielstrebig auf einen der Schwäne zu. Dort angekommen tauchte sie den Pinsel in den Farbtopf und rührte darin herum. Dann setzte sie den Pinsel oberhalb des Schnabels vom Schwan an und strich mit blauer Farbe über den Kopf, den Hals hinunter, über den Rücken bis zum Schwanz. Eine blaue geschwungene Linie entstand. Dies wiederholte sie bei jedem Schwan. Danach beendete sie ihren Einsatz.  Als sie abermals an Annomé vorbeiflog zwinkerte sie ihr zu und sagte: „Den Rest schaffst du allein.“
Stirnrunzelnd sah Annomé ihr hinterher. Dann schaute sie wieder zu den Schwänen. Ein breites Grinsen machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Na logisch“, sagte sie. „Das ich da nicht von alleine draufgekommen bin.“
Ganz weit in der Ferne hörte sie, wie jemand ihren Namen rief und jetzt wurde sie an den Schultern gerüttelt. Annomé riss die Augen auf.
Carlotta stand vor ihr und sagte: „Wir dachten schon, du wärst jetzt vollends in deiner chaotischen Gedankenwelt verschwunden. Wie schön, dass du wiederaufgetaucht bist.“
Annomé lachte. „Der Tauchgang hat sich gelohnt!“
Carlotta schaute sie neugierig an. „Erzähl, was hast du erlebt.“
Annomé winkte ab. „Das erzähl ich dir später Carlotta.“
Carlotta stöhnte. „Du immer mit deinem -das erzähl ich dir später-, als wenn du das später noch wüsstest bei deiner Vergesslichkeit.“
„Wichtig ist doch erstmal, dass ich die Zahl mitgebracht habe.“
Farina scharrte mit den Hufen. „Mach es nicht so spannend, rede endlich Annomé!“
Annomé zuckte mit den Schultern. „Ich rede doch die ganze Zeit.“
Meelan verdrehte die Augen. „Wenn du uns nicht endlich die Zahl verrätst, dann schüttelt wir sie aus dir heraus!“
Annomé grinst. „Ich sage sie euch ja. Jetzt sofort auf der Stelle. Versprochen!“
Meelan ging mit ausgestreckten Armen auf Annomé zu.
Schnell sagte sie: „Es ist die Zwei!“
„Bist du dir da ganz sicher?“, fragte Fips.
Jetzt erzählte Annomé den Freunden was sie in ihrer Gedankenwelt erlebt hatte.
„Schwanengleich und die Zwei, das passt tatsächlich,“ sagte Thilion.
Jasper war die ganze Zeit sehr still. Nun sprach er. „Ich habe die Lösung.“
Die Freunde schauten ihn ungläubig an.
„Wie jetzt“, fragte Annomé, „die ganze komplette Lösung? So mit allem drum und dran? Das würde bedeuten, dass du weißt, an welchem magischen Tag sich das Tor in Kombination mit dem Buch öffnet?“
Jasper nickte. “Ja das weiß ich. Ich werde es euch erklären. Dazu wiederhole ich nochmal das Rätsel: 5 schwanengleiche Zahlen vereinen sich und am Ende steht die 1, weil ihr die Null an anderer Stelle braucht. Ihr benötigt etwas Fantasie, ein bisschen Rechnen und ein wenig von der menschlichen Zeit.“ Jasper räusperte sich. „Das bedeutet: 5 x 2 = 10. Wir entnehmen die 0 und haben somit die erforderliche 1. Mit der Fantasie haben wir die Zahl 2 gefunden, durch das Rechnen haben wir die 1 und die erforderliche 0 bekommen. Und jetzt kommt das Wichtigste! Ein wenig von der menschlichen Zeit. Wir haben ja keine Zeitrechnung wie die Menschen, wir leben mit dem Zyklus der Natur. Aber wenn wir aus menschlicher Sicht die fünf Zweien nehmen und die Null von der Zehn, dann kann man daraus ein Datum machen und somit einen ganz bestimmten Tag bestimmen.“
„Und was wäre das für ein Datum? Und wann wäre dieser Tag?“ fragte Meelan.
Jasper antwortete: „Es wäre der 2.2.2022 und dieser Tag ist schon Morgen.“
„Jasper“, rief Farina, „du bist ein Genie!“
„Oh Schreck“, rief Carlotta, „schon Morgen!“
Annomé wedelte aufgeregt mit ihren Flügeln. „Dann aber flott, ab in Richtung Anderswald-Tor. Aber wir dürfen das Buch nicht vergessen. Carlotta, am besten verstaust du es in deinem Zauberrucksack Wumpi.“
„Ja, das mach ich.“
Wumpi kletterte mit seinen langen Armen und Beinen von Carlottas Schultern. Vorsichtig nahm Annomé das Buch vom Felsen. Ein Kribbeln durchlief ihren ganzen Körper. „Oh,“, hauchte sie. „Das ist ja voller Magie. Randvoll, sag ich euch. Ich spüre sie in jeder Zeller meines Elfenkörpers.“
„Genau deshalb musste das Buch nach der Überarbeitung nochmal in den Anderswald“, sagte Jasper. “Mit diesem Buch wird der Zauber und die Magie zu den Menschen gebracht. Sobald sie beginnen, die Geschichte vom unserem Anderswald zu lesen, wird diese Magie ihnen helfen, in unsere Welt einzutauchen.“
Ganz behutsam verstaute Carlotta das Buch in ihrem Rucksack. „Dann machen wir uns mal auf den Weg. Annomé, möchtest du bei mir mitfliegen? Es ist ein langer Weg bis zum Tor.“
Annomé überlegte kurz, dann nickte sie. „Da wir erst morgen dort sein müssen und keine Eile geboten ist, nehme ich dein Angebot gerne an. Und außerdem kann ich dann gleichzeitig ein bisschen auf das Buch aufpassen. Damit nicht noch zum Schluss ein Unglück passiert.“
Carlotta lachte. „Du bei mir auf dem Besen, das ist fast eine Garantie für ein Unglück!“
Annomé dachte an ihre Schusseligkeit und dass sie dadurch so einige kleine und große Unfälle verursacht hatte. Einmal war sie ihrer Freundin fast über die Schulter gefallen und ein anderes Mal komplett vom Besen verloren gegangen. Sie kicherte. „Nur manchmal Carlotta, eher selten.“
Carlotta seufzte. „So, so, Frau Elfen-Katastrophe, eher selten nennst du das.“

Und so machten sich die Freunde auf den Weg, um den Anderswald zu den Menschen zu bringen. Keiner von ihnen zweifelte auch nur einen Moment daran, dass die Lösung des Rätsels falsch sein könnte.