Seitdem Annomé weiß, dass der Anderswald zu Gast beim Bergischen Boten ist, bekomme ich sie kaum noch zu sehen. „Ich will nur schon mal schauen, wie es da so aussieht“, hat sie mir gesagt. Es kommt mir nur sehr verdächtig vor, dass sie diese Besichtigungstour jeden Tag wiederholt. Bestimmt gibt es dort Mengen an Kuchen und Keksen. Also, liebe Mitarbeiter des Bergischen Boten, wenn eure Keksdosen auf wundersame Weise leerer und leerer werden, und Kuchen wie von Geisterhand von euren Tellern verschwinden, dann war sie wieder da, die naschhafte Elfe aus dem Anderswald 🙂

Weitere Informationen gibt es unter folgendem Link: https://bergischerbote.de/2020/02/123353/

Kurz vor Weihnachten war ich mit dem Anderswald zu Besuch bei der Kindertrauergruppe im Institut Dellanima in Herkenrath. Die Zeit, die ich dort mit den Kindern und den Trauerbegleitern verbracht habe, war wirklich sehr besonders, berührend, und läßt sich kaum in Worte fassen. Die Anderswälder und ich freuen uns schon jetzt auf den nächsten Besuch bei den Kindern 🙂

 

Hier der Link zum Bericht über die Lesung: https://www.rhein-berg.drk.de/aktuell/news/meldung/lesung-fuer-die-kinder-des-projektes-leben-mit-dem-tod.html?fbclid=IwAR2JvEFmGN_iF6IHltTE3pW-kSZL2kjep8J36rjUV2KdM0OmxQaPgxfbGaM

An diesem Tag war der Anderswald mal wieder zu Gast in der Back Company in Bergisch Gladbach. Annomé war schon morgens ganz früh hingeflogen. Angeblich, um alles vorzubereiten . Aber nix war vorbereitet, denn sie hatte sich die ganze Zeit nur in der Kuchentheke rumgetrieben, wo auch sonst. Und beinahe hätte sie ihren Auftritt bei der Lesung verpasst.
Zum Glück war die Elfe Aurelia mitgekommen, die mir dann beim Aufbau geholfen hat. Herr Schwann von Berg TV hat einen kleinen Film gedreht. Den könnt ihr euch über folgenden Link anschauen:

https://www.nrwision.de/mediathek/bergtv-lesung-in-der-backstube-mit-autorin-andrea-von-rymon-191128/

Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, sind die Anderswälder schon vor Ort. Natürlich gibt es dort auch wieder die Anderswald-Bücher mit persönlicher Widmung. Alle Infos könnt ihr dem Flyer entnehmen.

Wir freuen uns auf eine gemütliche Zeit mich euch in der Erdbeerscheune 🙂

Es war eine ganz besondere Lesung mit ganz besonderen Besuchern.

Herr Wittkämper von der Margaretenhöhe fand die richtigen Worte zur Einleitung der Lesung: „Es ist Herbst, die etwas dunklere Jahreszeit, es ist die Zeit für Märchen…“

Für Märchen gibt es keine Altersbeschränkung. Das konnte man an den freudigen Augen der Zuhörer erkennen. Die Anderswälder und ich haben die Zeit auf der Margaretenhöhe sehr genossen und freuen uns schon auf ein Wiedersehen im Frühling 🙂

 

 

Abenteuer im Strundetal Teil 10

Annomé hatte sich in die hinterste Ecke von Carlottas Hexenhaus verkrochen. Gegen die Tür hämmerte der böse Zauberer Ogelot und rief: „Aufmachen! Aufmachen! Aaaaufmaaaaachen!“ Annomé hielt sich die Ohren zu und jammerte: „Oh nein, oh nein.“
Plötzlich begannen sich die Gegenstände im Haus aufzulösen, sogar sie selber. Annomé sah alles nur noch verschwommen. Sie hatte das Gefühl, als würde sie aus einem tiefen Meer langsam auftauchte. Die Stimme von Ogelot wurde immer lauter und klarer, je weiter sie nach oben kam.
Annomé riss die Augen auf. Sie schaute direkt in die Augen von Meelan. Er hatte sich über sie gebeugt, hämmerte mit einer Faust auf den Stuhl, auf dem sie gestern Abend selig eingeschlummert war, und rief: „Aufwachen! Aufwachen!“
Meelen musste über das entsetzte Gesicht von Annomé lachen. „Sag mal, wo warst du denn wieder im Traumland unterwegs? Deinem Gejammer nach war gerade Ogelot hinter dir her.“
„Ach Meelan, hast du mich erschreckt!“
„Wohl eher gerettet, würde ich sagen.“
Annomé dachte an ihren schrecklichen Traum. „Na ja, irgendwie schon.“ Sie gähnte ausgiebig und kratzte sich am Kopf. Ihr Haar sah aus, als wäre gerade ein Sturm hindurch gefegt. Meelan musste grinsen. Annomé wie sie leibt und lebt.
„Weißt du Meelan“, sagte Annomé, „ich will nicht immer Angst vor Ogelot haben. Das muss doch irgendwann mal aufhören.“
„Wir arbeiten doch daran Annomé. Wie oft haben wir ihn schon gemeinsam in die Flucht geschlagen.“
„Aber eben im Traum, da war ich ganz alleine. Ein richtiger Albtraum war das Meelan.“
„Gerade ist keine Zeit für Albträume, jetzt wird erst mal gefeiert. Schau der Elfenkönig und die Elfenkönigin und die Feen sind auch schon da. Bald beginnt das Strundetal-Fest. Erste Besucher laufen auch schon herum.“
„Meelan!“, rief Annomé. „Heute ist ja das Fest. Das hatte ich vor lauter Ogelot-Albtraum fast vergessen.“
Annomé sprang auf, wuschelte sich mit beiden Händen einmal durch ihr Haar und sagte: „Fertig.“
„Na dann komm du verrückte Elfe“, sagte Meelan und flog aus der Back Company. Annomé flog zum Wald-Zelt. Hier gab es die Anderswald-Bücher und viele schöne andere zauberhafte Artikel. Neben dem großen Zelt stand ein kleines grünes Zelt. Dort würde Andrea den Kindern aus den Anderswald-Büchern vorlesen.
Carlotta begrüßte Annomé in dem Zelt mit einem Grinsen. „Schau mal Annomé, was ich gezaubert habe.“
Hinter dem Anderswald-Stand erblickte Annomé die Elfe Aurelia. Carlotta hatte sie durch einen großen Zauber in eine menschliche Gestalt verwandelt. „So kann ich Andrea helfen und gleichzeitig die Menschen besser studieren“, sagte sie zu Annomé.
Aurelia war von Jaspers Wissen so beeindruckt, das sie zurzeit beim Hüter der Akasha Chronik eine Ausbildung machte. Schon so viel Wissen hatte sie sich durch die Bücher angeeignet. Alles was je hier auf der Erde geschehen war, stand hier geschrieben. Aurelia fand, es war ein faszinierender und geheimnisvoller Ort.
Annomé staunte. „Was du alles zaubern kannst Carlotta.“ Sie schaute nach draußen und sagte: „Kannst du bitte auch schönes Wetter zaubern? Schau mal, es regnet.“
„Na klar, da kümmere ich mich drum. Bin schon unterwegs.“ Carlotta sauste mit ihrem Besen Speedy davon.
Es dauerte nicht lange, da riss der Himmel auf und die Sonne trat hervor. Der Strom der Besucher wurde größer und größer. Mit Bussen, Kutschen und Planwagen wurden die Gäste durch das Strundetal gefahren. An den verschiedenen Attraktionspunkten konnten sie ein oder aussteigen.
Gerlinde und ihr Back Company-Team flitzten hin und her. Passend zum Thema des Festes hatten sie sich Mützen mit Elfenohren angezogen. Das sah sehr lustig aus. Überall saßen Menschen, aßen Kuchen oder andere Leckereien. Die Feen Nelly, Monja und Barbarelle verteilten überall ihren magischen Feenstaub. Die Stimmung war hervorragend.
„Kommt mal schnell her!“, rief Annomé ihren Freunden zu.
Sie flatterte vor einem großen Schild herum.
„Schaut mal“, sagte sie lachend, „das hat Gerlinde hier gerade aufgestellt.“
Annomés Lieblingsspeise, Beerentörtchen“, las Jasper. Die Freunde lachten mit Annomé.
„Was für eine witzige Idee“, sagte Meelan.
„Wie wäre es mit einem Streifzug durchs Strundetal?“, fragte Thilion.
„Ja, lasst uns mal schauen, was es noch so alles auf dem Fest entlang der Strunde zu bestaunen gibt“, sagte Farina.
Und schon machten sich die Freunde auf den Weg.
„He, Annomé“, rief Carlotta. „Kommst du nicht mit?“
„Geht ihr ruhig schon mal vor. Ich komme nach. Werde mich hier erst nochmal etwas umschauen.“
„Ich ahne schon, nach was du dich umschaust“, sagte Farina lachend als sie sah, dass Annomé ein Tablett mit „Annomés Lichlingstörtchen“ ansteuerte.
„Oh je, wenn das mal nicht in einer Katastrophe endet“, sagte Thilion lachend.
„Ach was“, sagte Annomé. „Ich pass schon auf mich auf. Werde euch schon finden.“
Carlotta seufzte. „Mach ja keinen Blödsinn Annomé, hörst du? Wenn wir uns auf der Stecke nicht treffen sollten, dann warten wir an der Quelle der Strunde auf dich.“
„Ja, ja, ja. Alles gut. Bis gleich.“
Und schon flog sie zielstrebig den Törtchen entgegen. Die Freunde zogen ohne Annomé los. Nachdem sich Annomé reichlich mit Törtchen versorgt hatte, flog sie zu Aurelia ins Anderswald-Zelt. Hier gab es einen großen Tisch und Bänke für die Kinder. Dort war der Platz wo die Kinder das magische Rätsel lösen konnten. Annomé freute sich als sie sah, wie die Augen der Kinder strahlten, wenn sie sich als Belohnung einen Elfenedelstein aus der Schatztruhe aussuchen durften.
„Puh, sagte Annomé, „ich kann nicht mehr. Ich glaube, es war ein Törtchen zu viel.“
Oh je“, sagte Aurelia als sie Annomés Elfenkugelbauch betrachtete, „musst du auch immer übertreiben?“
„Sie waren sooo köstlich“, sagte Annomé zu ihrer Verteidigung. „Nur, fliegen ist gerade echt anstrengend. Wie soll ich bloß die anderen einholen?“
„Nimm doch den Bus oder einen Planwagen. Schau, da kommt gerade einer.“ Aurelia zeigte auf einen roten Bus der kurz vor dem Zelt hielt.
Annomé strahlte. „Oh, damit könnte ich die anderen sogar überholen ohne dass sie es merken. Na, die werden sich wundern, wenn ich vor ihnen an der Quelle bin.“
Und schon flog Annomé davon. Aurelia schaute ihr Kopfschüttelnd hinterher. Diese Annomé war schon eine verrückte Elfe. Aber mit ihr war es nie langweilig. Schon so manches Abenteuer hatte sie mit ihr gemeinsam erlebt.
Jemand zupfte Aurelia am Rock. „Du, Elfe, kannst du mir bei dem Rätsel helfen?“
„Na klar, mach ich gerne“, sagte Aurelia und widmete sich wieder den Kindern.
Annomé fuhr durchs Strundetal. Überall bei den Attraktionen entdeckte sie ihre Freunde. Gerade sah sie, wie Carlotta eine Stelzenläuferin umflog. An der Endstation stieg Annomé aus. Wenn die Besucher wüssten, wer gerade mit ihnen im Bus gefahren ist, dachte Annomé und kicherte. Vergnügt flog sie den kurzen Weg zur Quelle.
Hallo liebe Quelle“, sagte Annomé als sie dort ankam. „Bis meine Freunde hier ankommen, mach ich noch ein kleines Mittagsschläfen. Törtchen essen macht ganz schön müde.“ Annomé überlegte. „Na ja, nicht wirklich. Eigentlich nur wenn man eins oder zwei oder drei zu viel gegessen hat.“ Sie stöhnte und legte sich auf einen Stein, direkt dort, wo die Quelle ans Tageslicht trat. Schnell war sie eingeschlafen. Sie träumte, Ogelot stand vor ihr und rief: „Aufwachen!“ Im Traum dachte Annomé: „Nicht schon wieder Meelan.“
Verschlafen öffnete sie die Augen und stieß einen gellenden Schrei aus. Es war nicht Meelan der vor ihr stand. Diesmal war es wirklich Ogelot, riesengroß.
„Das ist ja wie auf dem goldenen Tablett serviert“, sagte er und lachte hämisch. „Wir beide werden über das Energiekreuz verreisen. Ich nehme dich mit durch Zeit und Raum. Mal schauen, in welchem Jahrhundert ich dich verstecken werde. Deine Freunde werden ihre Mission, die Welt der feinstofflichen Wesen und die der Menschen zu vereinen, sofort beenden. Solange sie sich an meine Forderung halten, wird dir nichts geschehen. Damit das auch so bleibt, wirst du auf ewig meine Gefangene sein.“
Annomé hielt sich die Ohren zu um sein gruseliges Lachen nicht hören zu müssen. Doch es drang wie durch Watte zu ihr. Schnell schloss sie die Augen. Wenn Ogelot seine Drohung wahr machte, dann war sie für immer verloren. Sie selber war mal aus Versehen mit ihren Freunden in den Strudel des Energiekreuzes geraten und 600 Jahre in die Vergangenheit gereist. Ihr war klar, dass ihre Freunde sie niemals finden würden. Wer weiß, in welcher Zeit er sie verstecken würde. Tausend Gedanken rasten gleichzeitig durch ihren Kopf. Am liebsten wäre sie in ihrem Gedankengewusel verschwunden. Doch dann tauchte ein Gedanke auf. Sie würde ihre geliebten Freunde nie wiedersehen. Annomé wurde es ganz übel. Tränen traten in ihre Augen. Nein, sie würde sich nicht kampflos ergeben. Was hatte sie zu verlieren, wenn sie versuchte gegen Ogelot zu kämpfen? Nichts, sie konnte nur gewinnen. In Gedanken sah sie, wie sie auf Ogelot los boxte. Doch dieser lachte nur. Nein, damit würde sie Ogelot ganz bestimmt nicht in die Flucht schlagen. Da, war doch was, da war doch was. Wie schon so oft stellte sie fest, dass die Angst in so einem Fall, keine Hilfe war.
„Dann lass uns jetzt hier verschwinden. Es geht los kleine Elfe. Damals bist du mir entwischt, aber diesmal nicht.“
„Du weißt wie es geht“, sagte eine innere Stimme zu Annomé. „Los, gib alles, du kannst es.“
Plötzlich tauchte eine weitere Stimme auf. Oh je, dachte Annomé, der schon wieder. Sie wusste wem sie gehörte, dem Zweifler in ihr. Er sagte: „Gemeinsam mit deinen Freunden hast du es geschafft Ogelot mit eurem Licht zu vertreiben, aber alleine? Keine Chance. Und deine Angst vor ihm ist so groß und deine Wut auch, wie willst du ihm da mit Liebe begegnen.“
„Versuch es wenigsten“, sagte die Stimme der Hoffnung. „Du schaffst das. Dein Licht das du in deinem Herzen trägst ist so groß, dass du das ganze Strundetal ausleuchten kannst.“
„In echt?“, fragte Annomé jetzt laut und öffnete die Augen.
Ogelot wollte gerade nach ihr greifen, war aber etwas irritiert. „Was in echt?“, fragte er.
Schnell schloss Annomé wieder die Augen. Noch nie hatte sie sich so sehr in ihrem Elfenleben konzentriert. Vor ihrem inneren Auge stellte sie sich Ogelots Seele vor. Ja, auch Ogelot hatte eine Seele. Es fiel ihr schwer, sich das vorzustellen, doch sie schaffte es. Sie blendete sein Äußeres total aus und konzentrierte sich nur auf seine Seele. Oh je, sein Licht, war wie in einer Höhle eingesperrt. Sie hatte fast Mitleid mit ihm. Ein warmes Gefühl durchflutete sie mehr und mehr.
„Was tust du da“, fragte Ogelot argwöhnisch. „Hör sofort damit auf!“, befahl er.
Annomé ließ sich nicht ablenken und begann mehr und mehr zu leuchten. Hastig griff Ogelot nach Annomés Arm. Er wollte sie rütteln und schütteln.
Plötzlich hörte Annomé einen furchtbaren Schrei. Sie riss die Augen auf. Ogelot hielt schützend seine Arme vor sein Gesicht und begann kleiner und kleiner zu werden. Alles um Annomé herum war in ein helles warmes Licht getaucht, das Licht der Liebe. Oh, dachte sie, also kann ich tatsächlich so leuchten.
„Dich kann man auch wirklich nicht alleine lassen“, schimpfte Carlotta.
Annomé drehte sich um und hinter ihr standen alle ihre Freunde, die sich ebenfalls in das Licht der Liebe gehüllt hatten. Ein kleines Gefühl der Endtäuschung stieg in Annomé hoch. Dachte sie eben doch noch, sie selber hätte dieses große Licht erzeugt. Doch dann hörte sie die Stimme der Hoffnung in ihr die sagte: „Glaube mir, dein Licht ist größer als du es dir je vorstellen kannst.“ Ein Lächeln huschte über Annomés Gesicht. Sie drehte sich um. Ogelot war verschwunden.
„Puh“, sagte Annomé, „das war mal wieder knapp. Er wollte mich über das Energiekreuz entführen.“
Verstohlen wischte sich Carlotta eine Träne aus dem Augenwinkel. Den Gedanken, wenn es Ogelot gelungen wäre ihre Freundin zu entführen, mochte sie gar nicht zu Ende denken.
„Ich habe mich ganz dolle konzentriert“, sagte Annomé stolz. Sie dachte einen Moment nach, dann sagte sie: „Vielleicht sollte ich wie Aurelia, mal eine Ausbildung in der Akasha Chronik machen.“
Jasper holte ganz tief Luft und riss seine Augen weit auf. In Gedanken sah er Annomé, wie sie aber auch alles in seiner geliebten geheimnisvollen Bibliothek durcheinanderbringen würde.
„Bitte tu das nicht Annomé“, sagte er so flehentlich, dass alle Freunde in schallendes Gelächter ausbrachen.
Warum?“, fragte Annomé arglos.
„Darum“, antwortete Carlotta. „Weil du so bist wie du bist. Und weil wir dich lieben, so wie du bist. Und jetzt komm, wir müssen uns noch von Gerlinde verabschieden. Das Fest ist schon bald zu ende.“

„Führt die Frau Müller neuerdings Selbstgespräche?“, fragte schmunzelnd eine Kundin der Back Company die Verkäuferin hinter der Theke. Sie sahen, wie Gerlinde draußen alleine an einem Tisch saß, gestikulierte und scheinbar mit der Luft sprach.
„Die Zeit mit euch war echt ein Abenteuer“, sagte Gerlinde gerade zu den Freunden aus dem Anderswald. Ich werde euch vermissen.“
„Wir kommen dich ganz bestimmt wieder besuchen“, sagte Annomé und schielte auf das Schild „Annomés Lieblingstörtchen“.
„Das glaube ich dir aufs Wort“, sagte Gerlinde und lachte. Noch lange schaute sie ihren neuen Freunden hinterher und dachte: „Was für ein ZAUBERhaftes Abenteuer…“

Sie folgten Meelan quer durch den Wald des Strundetals. Sie kamen an einer großen Wiese vorbei auf der viele weiße Gänse liefen. Bald entdeckten sie eine kleine gelbe Burg. Dort bog Meelan in einen Weg ein und vorbei ging es an einem Teich und einem Spielplatz. Annomé schaute auf die Rutsche. Das wäre ein Vergnügen, so eine kleine Rutschpartie.
„Denk nicht mal daran“, sagte Carlotta die Annomé beobachtet hatte. „Oder meinst du, wir fliegen hier zum Spaß durch die Gegend.“
„Carlotta, hier müssen wir unbedingt nochmal in Ruhe hin. Das ganze Strundetal, irgendwie fühlt es sich so magisch an, wie unser Anderswald.“
„Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Alles sieht ein bisschen geheimnisvoll und verwunschen aus. Das machen wir Annomé. Sobald der Schatz gefunden ist, werden wir dieses Gebiet mal in Ruhe durchstöbern.“
„Ach ja, der Schatz“, sagte Annomé. „Da war doch noch was zu erledigen.“
Hinter dem Spielplatz ging es wieder in den Wald hinein einen Berg hinauf. Vor einem großen sonderbaren Baum hielt Meelan an. Was jetzt passierte, damit hatte keiner von ihnen gerechnet, Annomé stieß einen Ohrenbetäubenden Schrei aus.
„Oh Annomé!“, rief Meelan. „Bist du verrückt? Ich werde jetzt drei Tage taube Ohren haben.“
„Da, schaut doch, da unten, die Schatzkiste!“, rief Annomé.
„Ich weiß“, sagte Meelan, ich war doch schon hier.“
Zwischen den Wurzeln des Baumes gab es einen Hohlraum. Dort war die Schatzkiste von vielen dicken Wurzeln umschlungen verborgen. Sie war so gut gefüllt, dass sich der Deckel nicht vollkommen schließen ließ. Frau Rabe konnte so mit ihrem spitzen Schnabel die Elfensteine herausholen.
„Ein Zauberbaum“, sagte Jasper.
„Ein was?“, fragte Meelan.
„Das ist ein Zauberbaum. Er ist uralt und seine Wurzeln verlaufen durch Zeit und Raum. Ich glaube, die Menschen wissen gar nicht, was hier in ihrem Wald steht.  Ogelot hat ein kluges Versteck gewählt. So einfach wird der Baum den Schatz nicht hergeben.“
Nun war ein heftiges Rauschen zu hören, das immer lauter und lauter wurde. Der Zauberbaum bewegte seine Zweige, dass ein kräftiger Wind aufkam. Eine Stimme, die tausendfach wiederhalte sprach ganz langsam: „Wer stört mich in meiner Ruhe. Ich brauche Ruhe, ganz viel Ruhe.“
„Wir gehören zum Volk des Elfenkönigs Togan und kommen um unser Schatzkästchen abzuholen“, sagte Farina. „Danke das du darauf aufgepasst hast.“
„Es ist nicht euer Schatz“, sprach der Baum. „Er gehört mir. Ich habe ihn geschenkt bekommen.“
„Bevor du ihn geschenkt bekommen hast, hat er uns gehört.“
„Das stimmt nicht“, sagte der Baum und bewegte abermals heftig seine Zweige. „Ihr habt mir den Schatz nicht geschenkt. Also kann er auch vorher nicht in eurem Besitz gewesen sein.“
„Aber der der ihn dir geschenkt hat, hat ihn uns vorher gestohlen“, erwiderte Farina wütend.
„Wieso sollte ich euch das glauben.“
Fips zog seine Schleuder aus der Hosentasche. Er flüsterte: „Ich könnte dem Baum mit einem Stein eine verpassen. Vielleicht lässt er vor Schreck das Kästchen los.“
Im nächsten Moment kam ein Zweig angesaust und schlug Fips die Schleuder aus der Hand.
„Aua!“, rief Fips
„Das hätte ich dir gleich sagen können“, sprach Jasper, „dass dies nicht die richtige Methode bei einem Zauberbaum ist.“
Jeder der Freunde versuchte mit Worten den Zauberbaum zu überreden, ihnen den Schatz auszuhändigen. Doch alle Bemühungen waren vergebens.
Irgendwann sprach Jasper resigniert: „Lasst uns gehen, er wird es nicht herausgeben. Ogelot wird es auch nicht wiederbekommen. Es geht ihm auch gar nicht um den Schatz selber, sondern nur darum uns und den Menschen zu schaden.“
Traurig hatten sie sich vom Baum abgewandt um zu gehen. Sie waren so nahe dran. Verzweifelt drehte sich Annomé noch einmal um und rief:
„Die Kinder, sie werden so unendlich traurig und endtäuscht sein.“
„Welche Kinder?“, fragte der Baum. „Kinder stören nur und machen Lärm.“
„Na die Kinder beim Strundetal-Fest. Es war geplant, dass die Kinder sich als Belohnung für die Auflösung eines Rätsels einen Elfenstein aussuchen dürfen.“ Plötzlich hatte Annomé einen Geistesblitz. Wie es aussah, mochte der Baum wohl die Gesellschaft von Kindern nicht. Wie sagte er? Er brauche Ruhe, ganz viel Ruhe.
„Na gut“, sagte Annomé, „dann sagen wir den Kindern das du den Schatz hast und sie ihren Elfenstein bei dir abholen sollen. Es werden hunderte, ach was rede ich, wahrscheinlich tausende sein, die hier um dich herumspringen.“ Ganz langsam und gedehnt sagte sie: „Den ganzen lieben langen Tag. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Und wer weiß, vielleicht gefällt es ihnen hier so gut bei dir, dass sie dich öfters besuchen kommen.“
Diesmal bewegte der Zauberbaum so heftig seine Zweige, dass die Freunde sich kaum auf den Beinen halten konnten. Er sprach:
„Hunderte? Gar tausende Kinder? Ich brauche Ruhe, ganz viel Ruhe.“
„Na dann, wünschen wir dir viel Spaß mit den Kindern. Dann ist es aus und vorbei mit der Ruhe. Tja, so sind sie nun mal die lieben Kleinen.“
Sie drehte sich um und flog zu ihren Freunden. Das Rauschen war verstummt. Eine unheimliche Stille war eingetreten. Der Baum rief ihnen hinterher: „Kommt zurück. Ihr könnt den Schatz haben.“
Ein Lächeln huschte über das Gesicht der Anderswälder. Mit einem Ächzen und Knarren gab der Zauberbaum den Schatz frei. Schnell holte ihn Meelan heraus. Die Anderswälder bedankten sich und eilten davon. Hinter ihnen halte die Stimme des Baumes: „Ruhe, ich brauche Ruhe…“
Per Gedankenübertragung hatte Carlotta Gerlinde die gute Botschaft übermittelt. Gerlinde freute sich riesig, als die Anderswälder mit dem Schatz ankamen. Die Freunde erzählten ihr was sie alles erlebt hatten und wie Annomé den Zauberbaum überlistet hatte.
„Also Annomé, dein Geistesblitz, der muss ja wohl belohnt werden. Schließ mal bitte deine Augen.“
Rasch lief Gerlinde in die Küche, holte ein Tablett und hielt es unter Annomés Nase. Sie sagte: „Jetzt kannst du die Augen wieder aufmachen.“
Die Freunde reagierten blitzschnell und hielten sich die Ohren zu. Es war keine Zeit mehr, Gerlinde vorzuwarnen. Diesen Schrei, als Annomé die Augen öffnete und ein Tablett voller köstlicher Himbeertörtchen sah, würde Gerlinde wohl ihr Leben lang nicht vergessen. Fast hätte sie das Tablett fallen gelassen.
„Himbeertörtchen“, rief Annomé. Sie war außer sich vor Freude. „Die schönsten und bestimmt auch die leckersten Himbeertörtchen von der ganzen Welt.“
Es war noch ein lustiger Abend und alle zusammen feierten sie den guten Ausgang der Schatzsuche. Die Anderswälder beschlossen die Nacht in der Back Company zu verbringen um den Schatz zu bewachen. Alle freuten sich auf das morgige Fest und waren gespannt, was sie alles erleben würden.
Annomé hatte es sich auf einem kuscheligen Kissen im Verkaufsraum gemütlich gemacht. Sie schloss die Augen. In Gedanken durchlebte sie noch einmal das Abenteuer der Schatzsuche und flog durch das magische Strundetal. Von ganz weit vernahm sie die Stimme des Zauberbaums. „Ruhe, ich brauche Ruhe…“, dann war Annomé eingeschlafen.

 

Letzter Teil folgt nach dem Strundefest

„Sag mal Eichhörnchen, wo hast du diesen schönen Stein her?“, fragte Annomé.

„Der lag da hinten einfach so im Gras“, antwortete das Eichhörnchen und kletterte flink an einem Baum hoch. Dann sprang es auf einen anderen Baum und schon war es verschwunden.
„Wir ziehen weiter Freunde“, sagte Jasper. „Wie es ausschaut, sind wir auf dem richtigen Weg. Vielleicht hat Ogelot in der Eile ein paar Steine aus dem Kästchen verloren. Dann werden sie uns den Weg weisen. Denkt bitte weiterhin an den Schatz, auch du Annomé“, sagte Jasper.
„Ja, ja, ja. Ich bemühe mich ja. Dachte, wir hätten ihn schon gefunden.“
„Tja“, sagte Carlotta schmunzelnd, „die Dinge sind nicht immer so wie sie zu sein scheinen.“
Und weiter ging es kreuz und quer durch das Strundetal. In einem Waldgebiert entdeckte Annomé am Rande eines Teiches drei weitere Elfensteine.

„Kommt her, kommt schnell!“, rief sie. „Hier liegen auch Elfensteine.“
„Tatsächlich“, sagte Thilion, „die sind aus der Schatzkiste.“
Annomé schaute auf den Teich. „Oh je“, sagte sie, „hoffentlich hat Ogelot den Schatz nicht hier versenkt. Und seht mal, da schaut ein seltsamer Fisch aus dem Wasser. Also nicht ganz, nur der Rücken. Der bewegt sich auch gar nicht. Vielleicht ist es ein Teichungeheuer, das den Schatz bewacht.“
„Annomé, du hast echt eine blühende Phantasie“, sagte Carlotta. „Der Fisch ist doch aus Stein. Von wegen Teichungeheuer.“
Carlotta sauste mit ihrem Besen kreuz und quer über das Wasser „Auf dem Grund ist der Schatz jedenfalls nicht.“
„Vielleicht ist das Teichungeheuer schon so alt das es versteinert ist“, sagte Annomé. Sie fand ihre Vorstellung von einem Ungeheuer das den Schatz bewachte einfach großartig.
Jasper räusperte sich und sagte: „Hier wurde tatsächlich mal ein uralter Fisch gefunden.“
„Hatte ich also doch recht“, sagte Annomé triumphierend.
„Na ja,“, sagte Jasper, „es ist nicht dieser Fisch hier. Es war der Abdruck eines Fisches im Stein der 385 Millionen Jahre alt war. Sein Name, Ctenurella gladbachensis, erinnert an den Fundort hier im Strundetal.
Annomé sagte: „Ich frag erst gar nicht woher du das schon wieder weißt Jasper. Und 385 Millionen Jahre, die kann sich mein kleines Elfenköpfchen gar nicht vorstellen.“
Carlotta sammelte die Elfensteine ein und sagte: „In deinem Elfenköpfchen ist eh nur Platz für Törtchen.“
„Gar nicht“, sagte Annomé protestierend. Gleichzeitig tauchte das Bild von dem leckeren Baubeerkuchens auf, den sie bei Gerlinde verspeist hatte. Hm, dachte sie, ein kleines Hüngerchen hätte ich auch schon wieder. Schatzsuche macht echt hungrig.
Nachdem die Freunde die nähere Umgebung des Teiches abgesucht hatten sagte Thilion: „Hier ist der Schatz auf jeden Fall nicht. Wer weiß, wie die Edelsteine hierhin gekommen sind.“
„Lasst uns weiter ziehen Freunde“, sagte Farina. „Ich glaube ganz fest daran, dass wir den Schatz finden werden. Gemeinsam haben wir schon so viel geschafft, wir werden auch diese Aufgabe lösen.“

Auf ihrer Reise kamen sie an einem großen Banner vom Strundetal-Fest vorbei. Jasper deutete darauf und sagte: „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit um den Schatz zu finden.“
Die Freunde nickten stumm. Nach einer Weile gelangten sie zu einer Quelle. Jasper sprach: „Das ist die Quelle der Strunde. Hier entspringt sie, wird zum Bach, dann zum Flüsschen und mündet schließlich in Köln in den großen Fluß Rhein.“
Annomé staunte mal wieder über Jaspers Wissen. „Sag mal Jasper, woher weißt du das alles. Wo bekommst du alle diese Informationen her? Ich glaube, es gibt nichts, was du nicht weiß. Ich wünschte, ich hätte auch so ein gutes Gedächtnis wie du.“
„Ich lese sehr viel. Und alles weiß ich auch nicht. Wenn ich etwas ganz Spezielles wissen möchte, dann wisst ihr ja wo ich mir die Information herhole.“
„Aus der Akasha Chronik“, sagten alle im Chor.
„Genau, sagte Jasper. Die Bibliothek des Lebens, wo alles geschrieben steht, was hier auf der Erde geschehen ist. Ihr wisst, dass sie uns schon gute Dienste geleistet hat.“
Annomé war ganz dicht an die Quelle geflogen. Kleine Bläschen stiegen immer wieder vom Grund nach oben. Jetzt hatte sie etwas entdeckt. „Kommt her, kommt ganz schnell her!“, rief Annomé aufgeregt.
Die Freunde starten auf das seichte Wasser und staunten. Auf dem Grund entdeckten sie doch tatsächlich vier Elfenedelsteine.
Annomé hielt den Finger auf ihre Lippen und flüsterte: „Pst, ganz leise. Ich glaube, die Quelle will uns etwas sagen.“
Ganz konzentriert hörte Annomé zu. Nach kurzer Zeit sagte sie endtäuscht:
„Ich kann die Quelle nicht verstehen, die nuschelt so.“
„Aber ich habe sie verstanden“, sagte Farina schmunzelnd. „Sie sagt, wir sollen in Richtung Papiermuseum gehen. Ganz dicht am Ufer der Strunde hat Frau Rabe ihr Nest. Sie weiß wo der Schatz ist.“
Die Freunde bedanken sich ganz herzlich bei der Quelle für die Information und wünschten ihrem Wasser eine gute Reise auf dem Weg in den großen Fluss Rhein. Nun hatten es die Freunde eilig. Immer an der Strunde entlang gelangten sie an den beschriebenen Ort. Und tatsächlich, hier lagen so einige Edelsteine herum. Bald hatten sie Frau Rabe entdeckt, die einen wunderschönen großem Elfenstein im Schnabel hatte.
„Sag mal Frau Rabe“, fragte Jasper, „wo hast du diesen wunderschönen Stein her?“
„Das sage ich nicht“, bekam er als Antwort.
„Warum willst du uns das nicht sagen?“, fragte er.
„Meine kleinen Rabenkinder spielen so gerne mit den bunten Steinen. Wenn ich euch sage wo die sind, nehmt ihr sie bestimmt alle mit. Dann habe ich keine mehr für meine Kinder. Denn beim wilden Spiel der keinen Racker gehen dauernd welche verloren.“
Oh je, dachte Annomé. Der Elfenschatz wird also von den Rabenkindern im ganzen Strundetal verteilt. Wenn sie ihn nicht schnellstens finden, würde bestimmt bald nichts mehr davon übrig sein.
„Na gut“, sagte Jasper, „dann eben nicht. „Wir wünschen dir noch einen schönen Tag Frau Rabe.“
Jasper setzte sich wieder in Bewegung. Annomé wollte das nicht glauben. Sie rief: „Aber Jasper, wir können doch nicht einfach weitergehen. Frau Rabe muss uns sagen, wo sie die Steine gefunden hat. Wir sind so nahe dran.“
„Ich muss gar nichts“, sagte Frau Rabe.
„Wir gehen weiter“, sagte Jasper sehr eindringlich.
„Aber…“, startete Annomé noch einen Versuch und verstummte. Carlotta war an ihre Seite geflogen und zischte: „Flieg weiter Annomé, flieg einfach weiter.“
Alle hatten wohl verstanden, was Jasper vorhatte, nur Annomé nicht.
Die Freunde aus dem Anderswald kamen an einen Platz, wo viele kleine Häuschen standen.
„Hier machen wir eine Pause“, sagte Jasper.
Annomé wollte gegen die Pause protestieren. Sie fand, es war gar keine Zeit Pause zu machen. Sie mussten sich beeilen um den Schatz zu finden.
„Annomé hat es immer noch nicht verstanden“, sagte Meelan und lachte.
„Häh? Was habe ich nicht verstanden.“
„Thilion“, sagte Jasper, übernimmst du die Verfolgung von Frau Rabe? Aber pass auf, dass sie dich nicht sieht und Verdacht schöpft.“
„Bin schon unterwegs“, sagte Thilion und flog davon.
„Ach sooo ist das“, sagte Annomé und grinste. Sie schaute sich um. „Wo sind wir hier eigentlich? Alles sieht ein bisschen komisch aus.“
„Das hier ist das Papiermuseum wovon die Quelle sprach“, sagte Jasper. „Die Stadt Bergisch Gladbach ist berühmt für ihre Papierherstellung.“
Was der wieder alles weiß, dachte Annomé. An einem Gebäude entdeckte sie ein großes Rad. Ein Bach, der an dem Haus vorbeifloss, brachte das Rad dazu, dass es sich ständig drehte.
„Komm mal her Carlotta“, rief sie nach ihrer Freundin, „ich habe was Tolles entdeckt.“
Es dauerte nicht lange, da hörten die Freunde, wie Carlotta und Annomé vor Vergnügen quietschten. Sie liefen zu dem großen Wasserrad. Carlotta und Annomé setzten sich oben auf eine Schaufel des Rades und fuhren hinunter in Richtung Wasser. Kurz bevor das Rad ins Wasser tauchte flogen sie schnell wieder nach oben und erneut ging es hinab.
„Was für ein lustiges Karussell!“, rief Annomé vergnügt.
Jasper schaute zu den beiden hinunter und schüttelte den Kopf. „Das Karussell ist ein Wasserrad und hat früher eine Mühle angetrieben“, sagte er.
„Ach“, sagte Annomé verblüfft. Und wäre vor Staunen über Jaspers Aufklärung beinahe im Wasser gelandet. Erst als Thilion aufgeregt oben am Wasserrad auftauchte und rief: „Ich weiß wo der Schatz ist, kommt schnell“, fiel Annomé wieder ein, warum sie überhaupt hier waren. Das hatte sie vor lauter Karussell fahren schon wieder vergessen. Gespannt schauten alle auf Thilion.
„Kommt mit!“, rief er aufgeregt und flog eilig davon.

Fortsetzung folgt am Samstag den 31.08.2019

Gerlinde war wie gelähmt. Wer oder was war das gerade? Wie hypnotisiert ging sie zur Hintertür und verschloss sie. Dann lief sie ins Büro. Die Schublade stand offen, der Elfenschatz war weg. Ihre Knie begannen zu zittern. Sie musste sich setzten. Die Polizei. Sie musste die Polizei verständigen. Aber was sollte sie ihnen sagen? Mir wurde der Elfenschatz gestohlen von einem Wesen mit glühenden Augen und rauchenden Fingern? Schnell verwarf sie diesen Gedanken wieder. Ihre Freunde aus dem Anderswald musste sie rufen. Annomé hatte ihr erklärt wie das ging. Annomé, mit ihren Konzentrationsschwierigkeiten, wäre in diesem Fall wohl eher die falsche Ansprechpartnerin. Sie entschied sich für Carlotta. Hoffentlich würde es überhaupt klappen. Sie stand auf, ging in den Verkaufsraum und suchte sich ein schönes Plätzchen im Cafébereich. Ganz tief atmete sie ein paarmal in ihr Herz ein und aus. Sie schloss die Augen und dachte intensiv an Carlotta. In Gedanken rief sie mehrmals: „Carlotta, hier ist Gerlinde. Bitte melde dich.“ Sie wunderte sich selber, dass es tatsächlich funktionierte und erschrak ein wenig, als sie Carlottas Stimme in ihren Gedanken vernahm die sagte: „Hallo Gerlinde, was ist los?“ Sie schilderte Carlotta alles was geschehen war. Carlotta antwortete ihr, dass sie ihre Freunde verständigen würde und gleich morgen früh kämen sie zur Back Company.

Ganz früh, bei Sonnenaufgang, trafen die Anderswälder bei der Back Company ein. Nach Gerlindes Beschreibung wussten sie sofort, wer der Dieb war.
„Das war Ogelot, ganz klar“, sagte Jasper. „Habe mich schon gewundert, dass wir so lange nichts von ihm gehört haben. Ogelot, ein Zauberer der übelsten Sorte.
„Oh Schreck“, sagte Gerlinde, „ihr meint, das war wirklich der Zauberer aus der Geschichte Der Anderswald? Der sah ja noch viel schlimmer aus, als ich ihn mir beim Lesen vorgestellt hatte. Furchtbar gruselig.“ Gerlinde schüttelte sich.
„Der schöne Elfenschatz“, jammerte Annomé. „Er war doch schon angekündigt.  Die Kinder werden sehr traurig sein, wenn es keine Elfensteine gibt.“
„Wir werden ihn wiederholen“, sagte Meelan entschlossen.
„Ja,“, sagte Thilion, „lasst uns keine Zeit verlieren.“
„Aber wie wollt ihr den Schatz finden? Wo wollt ihr danach suchen?“, fragte Gerlinde.
„Wir haben schon einmal einen Schatz wiedergefunden und ihr wisst alle, dass wir ihn nicht mit dem Verstand gefunden haben“, sagte Farina.
„Dann werden wir es wieder genauso machen wie damals“, sagte Fips.
Jeder wusste was gemeint war. Sie schlossen die Augen und stellten sich ihre Schatzkiste vor und wie sie sich fühlen würden, wenn sie sie wiederfanden. Nach einem kurzen Augenblick sagte Thilion: „Jasper, gehst du wieder voran?“
Jasper nickte und ohne ein weiteres Wort zogen die Anderswälder los durchs Strundetal.
„Ich wünsche euch viel Glück und gutes Gelingen!“, rief Gerlinde ihnen hinterher. Immer wieder holten sich die Freunde das Bild vom Schatzkästchen in ihre Gedanken. Und immer wieder das Gefühl der Freude, in dem Augenblick, wenn sie es finden würden. Sie wussten alle, wie machtvoll Gedanken sein konnten. Für Annomé war es mal wieder eine echte Herausforderung. Sich längere Zeit auf einen Gedanken zu konzentrieren, oh je, sie wüsste was sie lieber täte. Zum Beispiel auf Törtchenjagd gehen. Ja, das war ein lustiger Gedanke. Sie stellte sich vor, wie eine ganze Horde bunter Törtchen vor ihr floh und sie hinterherjagte um sie zu fangen. Bei diesem Gedanken musste sie laut lachen. Carlotta war neben sie geflogen und sagte: „Na, wo bist du den wieder Gedanklich unterwegs? Ich glaube, ein Schatzkästchen kommt gerade nicht in deinen Gedanken vor oder?“
Annomé fühlte sich ertappt. „Och Carlotta, woher weißt du, dass mir das Schatzkästen gedanklich abhandengekommen ist?“
„Weil ich dich so gut kenne. Ich kann förmlich in deinem Gesicht lesen. Also, verrätst du mir, wo du dich in deiner Gedankenwelt wieder rumgetrieben hast?“
„Ähm, ja weißt du, also ich war…“ Als sich Annomé die Törtchenjagd wieder vorstellte, musste sie so lachen, dass sie nicht mehr sprechen konnte. Elfen können nämlich sehr, sehr albern sein. Annomé war froh, dass in diesem Moment Jasper rief: „Kommt mal alle her, ich habe etwas Interessantes entdeckt.
Jasper deutete auf ein Eichhörnchen, das im Gebüsch hockte. Statt einer Nuß hielt es einen Elfenedelstein zwischen den Pfoten. Annomés Herzchen begann wie wild zu pochen. Sollten sie etwas so schnell den Schatz gefunden haben? Schnell flog sie zu dem Eichhörnchen.

Fortsetzung folgt Freitag den 30.08.2019