Gerlinde konnte es nicht fassen und machte große Augen, als die Anderswälder ihr eine kleine Schatztruhe randvoll gefüllt mit Elfenedelsteinen präsentierten.
„Oh sind die so wunderschön“, sagte sie. „Die Kinder werden staunen, wenn sie diese tolle Schatzkiste sehen. Und wie werden sie sich freuen, wenn sie sich einen magischen Stein aussuchen dürfen. Wie die glitzern und funkeln. Die Magie dieser Steine, ich kann sie fühlen. Was für ein großzügiges Geschenk eures Elfenkönigs. Ich würde mich so gerne persönlich bei ihm bedanken.“
„Das kannst du“, sagte Thilion freudig. „Meine Eltern kommen mit ihrem ganzen Hofstaat zum Fest. Mein Vater war sofort damit einverstanden, diese kleine Schatztruhe zu füllen. Er sieht das Fest als einen weiteren Schritt zur Vereinigung der Welten. Denn bei diesem Strundetal Verein scheint es Menschen zu geben, die an uns glauben, hatte er gesagt. Denn sonst würden sie wohl kaum ein Fest feiern unter dem Motte Mythen, Märchen und Sagen, meinte er.“
„So gut es ging habe ich die Elfenedelsteine ins grobstoffliche gezaubert“, sagte Carlotta. „Manche Steine haben immer noch etwas Feinfeinstoffliches, denn sie sind ultraleicht.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Sind halt Elfenedelsteine. Es werden viele Bewohner aus dem Anderswald kommen. Ich habe überall Gerlindes Einladungsflyer zum Strundetal-Fest verteilt. Alle freuen sich schon.“
„Na dann wird es ganz bestimmt ein ZAUBERhaftes Fest“, sagte Gerlinde glücklich.
„Nur noch ein paar Tage, dann ist es soweit. Es gibt noch so viel zu tun.“
„Wir ziehen dann mal wieder los“, sagte Carlotta. „Werde noch ein paar Flyer in den Außenbezirken abwerfen.“
„Bevor ihr geht“, sagte Gerlinde, „wenn ich noch etwas wissen muss oder eure Hilfe benötige, wie erreiche ich euch?“
„Na, das ist doch ganz einfach“, antwortete Annomé. „So wie es in den Anderswald-Büchern steht. Die Augen schließen, gaaanz ruhig werden, sich voll und ganz auf einen von uns konzentrieren und ihn in Gedanken rufen.“
Carlotta lachte. „Gaaanz einfach. Das sagt die Richtige, die eine Meisterin im nicht konzentrieren ist.“
Auch die anderen hielten sich die Bäuche vor Lachen.
„Ha, ha, ha. Ihr werdet euch noch wundern“, sagte Annomé. „Ich lerne das schon noch mit dem konzentrieren und so.“
„Ach bitte nicht Annomé“, sagte Meelan schmunzelnd, „dann haben wir doch nichts mehr zu lachen.“

Als sich die Freunde verabschiedet hatten, ging Gerlinde mit ihrem kostbaren Schatz ins Büro. Sie schaute sich um und entschied sich für die große Schublade im Schreibtisch. Schnell war der Schatz darin verstaut und die Schublade verschlossen. Den Schlüssel steckte sie in ihre Hosentasche. Fröhlich pfeifend ging sie in den Laden.

Es war Abend geworden. Die Arbeit war für heute getan und der letzte Kunde hatte den Laden verlassen. Noch schnell die Tasche und den Schatz aus dem Büro holen und dann ab nach Hause, dachte Gerlinde. Auf dem Weg zum Büro hörte sie ein Geräusch. Was war das? Außer ihr war niemand mehr hier. Heftig begann ihr Herz zu pochen. Vorsichtig schaute sie in den Flur, der zum Büro führte. Was sie nun sah, lies sie erstarren. Ein furchterregendes Wesen, mit Hut und langem Bart kam aus dem Büro. Seine Hände waren lang und knochig. Aus seinen Fingerspitzen traten kleine Rauchwolken. Mit glühenden Augen schaute er kurz zu Gerlinde. Sein hämisches Lachen hallte durch das ganze Gebäude. Er verschwand durch die Hintertür in der Dunkelheit und mit ihm der Elfenschatz.

 

Fortsetzung folgt am Donnerstag den 29.08.19