Das Tor zum Anderswald Teil 1

Ungeduldig schaute Annomé immer wieder zum Himmel und lauschte in den Wald hinein. Erst hörte sie in der Ferne ein Donnern, dann über den Baumwipfeln ein zischendes Geräusch. Annomé zog instinktiv den Kopf ein. Carlotta kam auf ihrem Besen Speedy in einem Höllentempo im Sturzflug angesaust. Kurz darauf landete sie punktgenau vor Annomés Füßen.
„Na endlich“, sagte Annomé. „Ich warte schon eine halbe Ewigkeit.“
Carlotta zwinkerte ihr zu. „Na ja, sonst ist es immer umgekehrt und ich muss auf dich warten.“ Sie setzte sich auf eine Wurzel die mit Moos bewachsen war und schaute Annomé neugierig an. „Was gibt es denn so Wichtiges zu besprechen?“
„Carlotta, wir müssen was unternehmen! Seit vielen Monaten ist das Tor zur Welt der Menschen verschlossen.“
Annomé war für einen Moment in Gedanken versunken. Sie dachte an die leckeren Törtchen und Kekse, die sie in den Häusern der Menschen verzehrt hatte. Denn überall dort, wo in den Anderswald-Büchern gelesen wurde, war auch sie vor Ort. Das war manchmal sehr lustig, weil die Menschen sich wunderten, wenn ihre Kekse wie von Zauberhand verschwanden. Manche Kinder konnten sie sogar sehen. Kinder haben oft noch diese Gabe. Nur leider hatten die Erwachsenen ihnen nicht geglaubt, wenn sie sagten, dass es die Elfe aus dem Anderswald war, die an den Keksen genascht hat.
Annomé seufzte. „Carlotta, können wir denn gar nichts tun, damit es sich wieder öffnet?“
„Du weißt doch warum das so ist. Die Bücher über unseren Anderswald werden überarbeitet. Und sobald das erste Buch fertig ist, wird sich auch das Tor zu den Menschen wieder öffnen. Also, das hoffe ich jedenfalls.“
„Wie jetzt, Carlotta. Geht es dann ganz von alleine wieder auf oder was? Einfach so? Ohne Schlüssel, ohne Zauberspruch? Und wann wird das sein?“
Carlotta zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, Annomé. Aber wir könnten den Elfenkönig fragen. Es ist schließlich sein Königreich. Wenn es einer weiß, dann ja wohl er.“
Annomé sprang auf und rief: „Wissen! Das ist das Stichwort! Wir fragen unseren Alleswisser.“
Carlotta schaute Annomé fragend an. „Welchen Alleswisser?“
„Na du weißt schon, unser wandelndes Lexikon im Anderswald.“
„Ach du meinst Jasper!“
„Ja, der könnte doch mal in seiner geheimen Bibliothek nachschauen. Du weißt doch, dieser komische Ort, wo alles geschrieben steht was hier auf der Erde geschieht. Dort hat Jasper in der Vergangenheit schon viele hilfreiche Informationen bekommen, die uns bei der Erfüllung unserer Aufgaben geholfen haben.“
„Annomé, wir fragen nicht nur Jasper. Wir trommeln alle unsere Freunde zusammen. Vielleicht hat einer von denen auch noch eine gute Idee, wie wir dazu beitragen können, dass sich das Tor endlich öffnet.“
Annomés Augen begannen zu leuchten. „Oh ja, Carlotta, das machen wir.“ Sie hielt ihr Elfennäschen in die Luft und schnupperte. „Riech mal Carlotta, riechst du es auch?“
Carlotta schnupperte. Dann schüttelte sie den Kopf. „Ich rieche nichts.“
Freudig rief Annomé. „Abenteuer liegt in der Luft! Carlotta, es riecht nach Abenteuer!“

Fortsetzung folgt