Abenteuer im Strundetal Teil 3

Schnell hielten die Freunde aus dem Anderswald sich die Ohren zu. Die Einhörner verbargen ihre Ohren zwischen den Vorderhufen. Und Annomé, die stieß einen lauten schrillen Schrei aus.
Sie war überwältigt. Wo sie auch hinsah, überall die schönsten Köstlichkeiten. Einen Moment war sie wie gelähmt, doch dann gab es kein Halten mehr. Zielstrebig flatterte sie zu dem Teil der Verkaufstheke, wo die Kuchen standen. Ihre Freunde nahmen langsam die Hände von den Ohren. Sie kannten diese Reaktion von Annomé und waren darauf vorbereitet gewesen. Immer wenn sie etwas ganz Besonderes entdeckte, stieß sie einen so lauten Schrei aus, dass ihnen die Ohren fast wegflogen.
„Es ist unglaublich, dass diese kleine zarte Elfe so laut schreien kann“, sagte Meelan.
Carlotta seufzte: „Ja, so isse unsere Annomé. Ich bleibe mal lieber in ihrer Nähe, damit nicht wieder ein Unglück passiert, sie sich verfliegt oder sonst was anstellt. Ihr kennt sie ja. Diese Elfe kann man keine Minute aus den Augen lassen.“
„Ich komme mit dir“, sagte Fips. „Falls du Verstärkung brauchst.“ Grinsend zwinkerte er Carlotta zu.
„Du kannst dich oben auf Wumpi setzten, dann hast du einen guten Überblick.“
Wumpi war Carlottas Zauberrucksack, den sie stets bei sich trug. Sie hatte ihn durch große Zauberkunst erschaffen. Er hatte lange Arme und Beine und ein Gesicht. Wumpi konnte sprechen und sogar singen. Bei seiner Erschaffung hatte sich zwar ein kleiner Zauberfehler eingeschlichen, denn er lispelte ein bisschen, aber das störte niemanden.
Die restlichen Anderswälder schauten sich um. Einige Menschen standen an der Verkaufstheke, andere saßen an Tischen, tranken und aßen etwas. Es sah nicht so aus, als wenn auch nur einer von ihnen sie sehen könnte.
Meelan sagte lachend: „Wenn diese Menschen wüssten, wer hier zu Besuch ist.“
„Es ist ganz gut, dass sie uns nicht sehen können“, sagte Jasper. „Dann kann ich viel besser meine Studie betreiben. Ich habe nämlich herausgefunden, dass manche Menschen, wenn sie durch den Wald sparzieren, spüren können, wenn wir Naturgeister in der Nähe sind. Sie verhalten sich dann plötzlich ganz anders. Mich interessiert, ob ihr Gespür ein anderes ist, wenn sie im Wald oder hier in der Stadt unterwegs sind. Deshalb ist dieser Ort ein wunderbares Studienobjekt für mich.“
Jasper war ein wandelndes Lexikon. Die Freunde staunten immer wieder über sein unerschöpfliches Wissen. Besonders Annomé war es ein Rätsel, wie man so viele Informationen in einem einzigen Kopf speichern konnte. Und dann auch noch bei Bedarf wiederfand.
„Na dann, viel Erfolg bei deiner Studie Jasper“, sagte Meelan.
Und so schwärmten sie aus, um alles zu erkunden. Carlotta hatte es sich neben einer Torte gemütlich gemacht. Schmunzelnd beobachtete sie Annomé. Diese flatterte von einem Kuchenstück zum anderen und konnte sich nicht entscheiden, mit welchem Kuchen sie beginnen sollte. Annomé hatte sich extra klein gemacht, damit sie bequem in die Kuchentheke passte. Die Anderswälder konnten ihren feinstofflichen Körper durch ihre spezielle Energie vergrößern oder verkleinern, gerade so wie sie es brauchten.
Fips machte sich einen Spaß daraus, Annomé von einem Stück Kuchen zum anderen zu locken. Gerade rief er: „Annomé, komm her. Diesen Kuchen musst du versuchen.“
„Oh je“, jammerte Annomé, „so viele leckere Kuchen. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Das ist ja das reinste Kuchenparadies. Ich glaube, die Back Company wird mein zweiter Wohnsitz.“
Carlotta und Wumpi amüsierten sich prächtig über das Schauspiel, dass sich ihnen in der Kuchentheke bot. Annomé flatterte um ein Stück Erdbeerkuchen und sagte fest entschlossen:
„Ganz egal wie köstlich alle Kuchen aussehen, ich beginne jetzt mit diesem hier.“ Gerade wollte sie zugreifen da sagte eine Stimme: „Ich glaub es nicht.“
Vor lauter Kuchen suchen hatten sie die Frau nicht gesehen, die ihre Nase an dem Glas der Verkaufstheke plattdrückte. Fest kniff sie ihre Augen zusammen und öffnete sie dann wieder ganz weit. „Die sind ja immer noch da. Träume ich oder was? Das gibt es doch gar nicht.“ Nun kniff sie sich in den Arm. „Aua!“ rief sie. „Also träume ich auch nicht.“
Carlotta, Wumpi, Annomé und Fips hatten sich furchtbar erschrocken. Konnte diese Frau sie wirklich sehen? Sie wussten das es einzelne Menschen gab, die dies konnten. Sollte diese Frau so ein Mensch sein? War sie Freund oder Feind? Rasch hatten sich die vier so gut es ging hinter einem Kuchenblech versteckt. Ihre feinstofflichen Herzchen klopften wie wild. Annomé hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Nur weil sie so naschhaft war, hatte sie ihre Freunde in diese gefährliche Situation gebracht. Was würde nun geschehen?

Fortsetzung folgt kommenden Freitag