Lichttor und Zauberfluch

Leseprobe

„Hiiiiiiilfeeeeeee!!! Wir stürzen aaaaaaaaaaab“, schrie Annomé.
Carlotta schaute über ihre Schulter zu Annomé und rief:
„Nein, wir stürzen nicht ab, wir sind nur im Landeanflug. Und wenn du heute Morgen nicht wieder verpennt hättest, hätte ich jetzt nicht so schnell fliegen müssen, damit wir wenigstens einigermaßen pünktlich sind.“ Annomé hatte ihre Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und krallte sich an Carlotta fest.
„Schau nach vorne Carlotta!“, schrie Annomé entsetzt. „Du siehst ja gar nicht, wo du hinfliegst.“ In Gedanken sah sie sich und Carlotta schon am nächsten Baum kleben. Oh, war ihr übel. Nie wieder würde sie mit Carlotta fliegen, nie wieder. Ihr empfindlicher Elfenmagen vertrug Carlottas Flugstil einfach nicht, besonders wenn Eile geboten war. Okay, sie hatte mal wieder einen Tick zu lange geschlafen. Na gut, es war schon ein ordentlich großer Tick gewesen und dadurch war sie zu spät zum verabredeten Treffpunkt gekommen. Carlotta hatte schon ganz ungeduldig auf sie gewartet, denn heute wollten sie ja Meeryam in die Schule begleiten. Deshalb war es wichtig, dass sie pünktlich vor Schulbeginn bei Meeryam waren.
Nun legte Carlotta extra für Annomé die sanfteste Landung hin, die ihr möglich war. Annomé stöhnte hinter ihr und krallte sich noch mehr an Carlotta fest.
„Aua, Annomé, du tust mir weh!“, rief Carlotta. „Du kannst mich jetzt wieder loslassen, wir sind unten.“
„Lebe ich noch oder träume ich nur, dass ich noch lebe“, sagte Annomé und stöhnte. Dann stieg sie torkelnd von Carlottas Besen.
„Unkraut vergeht nicht“, antwortete Carlotta ihr daraufhin. Sie rieb sich die Stellen an ihren Armen, an denen sich Annomé festgekrallt hatte.
Annomé nahm sich vor, in Zukunft immer pünktlich zu sein. Am besten würde sie von jetzt an immer so früh aufbrechen, wohin auch immer, dass sie Kraft ihrer Elfenflügel und ohne Carlottas Hilfe ihr Ziel pünktlich erreichten konnte.
„Es tut mir echt Leid Carlotta, aber du weißt doch, dass ich immer solche Angst habe, wenn ich mit dir fliege. Weiß auch nicht warum.“
„Ich schon“, sagte Carlotta und grinste. Dabei dachte sie an ihren wilden Flugstil.
Annomé schüttelte sich und nahm erst jetzt ihre Freunde wahr, die schon ungeduldig auf sie gewartet hatten. Farina, Jasper, Meeryam und Fips mit Sir Wieselflink waren schon da. Aber wo war Meelan? Kaum hatte sie es gedacht, da zeigte Meeryam in die Ferne und sagte: „Da kommen sie, na endlich.“ Jetzt sah auch Annomé den Silberstreifen am Horizont, der immer näherkam.
„Oh“, sagte Annomé freudig „Wir sind gar nicht die Letzten?“, und schon ging es ihr etwas besser.
„Siehst du“, sagte Carlotta, „da hat sich der schnelle Flug doch gelohnt.“
„Na ja, “ sagte Annomé. „Ich weiß nicht was mir lieber ist. Nicht die Letzte zu sein oder einen verdrehten Magen zu haben.“
Der Silbersteifen kam immer näher. Und jetzt konnten sie auch Thilion und Meelan erkennen, die auf Aragon saßen, der im rasenden Tempo über den Silberweg galoppierte.
Was für ein Anblick, dachte Annomé. Das goldene Fell von Aragon glitzerte und funkelte in der Sonne.